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Namibia Teil II

Namibia hat in etwa 5 Teerstrassen. Der Rest ist Piste, Schotter, Sand oder Salz. Oft erinnern die Strassen eher an ein Waschbrett, das das Weltbild ziemlich verschwimmen laesst, wenn man drueber holpert. Aber nach jeder Kurve um die man rattert eroeffnet sich ein neues Panorama, das einem die Luft nimmt – atemberaubend dieses Land.
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Unser erstes Ziel ist die Etosha Pfanne im Norden Namibias. Mit seinen 20.000 qkm gibt der „grosse weisse Platz des trockenen Wassers“ wie Etosha hier genannt wird 114 Arten von Saeugetieren, 340 Vogelarten, 16 Reptilien und Amphibien und sogar einer Fischart ein zu Hause. Als Mitteleuropaeer kann man sich nicht vorstellen, was sich hier in der Steppenlandschaft links und rechts der Strasse abspielt. Waehrend der Trockenzeit findet man die meisten Tiere an den natuerlichen oder kuenstlichen Wasserloechern. Wir sind zu Beginn der Regenzeit das. So spaziert die gesamte Tierwelt Etoshas durch die Ebene und freut sich ueber das frische gruen.

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Zebras und Oryx fressen gemeinsam mit Kudus das frische Gras und schauen nur kurz auf, wenn wir mit unserem Auto vorbei fahren. Strausse huepfen aufgeregt ueber die Strasse. Gibt es mal keine Tiere zu sehen, muss man nur ganz genau schauen, denn dann findet man meist eine Loewenfamilie im Schatten der Baeume gut getarnt im hohen gelben Gras liegen. Deutlich schwerer mit der Tarnung haben es unzaehligen Giraffen. Schon vom weiten sieht man ihre  langen Haelse aus dem Bushland ragen. Fahren wir an ihnen vorbei, schauen sie uns ganz kurz mit ihren riesigen Augen an und widmen sich dann wieder genuesslich ihrer Baumkrone an der sie gerade das Blattwerk verspeisen.

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Bei Elefanten ist das schon anders. Sie scheinen keine Umwege zu moegen. Als wir neben einer Dickhaeuterfamilie halten, um sie zu beobachten und ein paar Fotos zu machen, will eine Elefantenkuh offensichtlich just an der Stelle die Strasse kreuzen wo unser kleiner Toyota Condor steht. Und dass wir ihr im Weg stehen, scheint ihr nicht zu gefallen. Ich merke erst gar nichts, wundere mich nur, dass mein Weitwinkel nicht mehr ausreicht, um den Riesen durch das offene Fenster zu fotografieren. Erst als ich die Kamera vom Auge nehme, sehe ich dass wir durchaus schon in Reichweite sind. Wir machen sofort einen 20m Satz nach vorn und sind so aus der Bahn der mit dem Ruessel schwingenden Elefantenkuh. Das scheint sie als Entschuldigung zu akzeptieren. Denn sie widmet sich wieder gemaechlich ihrem Tagesgeschaeft.

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Phu. Das war ne ganze Menge Afrika in einer Dosis. Eine noch groessere Menge Afrika bekommen wir weiter im Norden Namibias. Stundenlang rattern wir ueber ueble Pads (wie die Locals ihre Strassen nennen). In Opuwo, der Provinzhauptstadt im Nordwesten des Landes fuellen wir Benzin und Lebensmittelvorraete fuer die naechsten Tage auf. Opuwo ist ein Moloch, gegen das Rivas in Nicaragua – Julia, Du weisst wovon wir reden – eine beschauliche Kleinstadt ist. Spannend ist Opuwo trotzdem. Denn im Supermarkt stehen Hererofrauen mit ihrem beeindruckenden Kopfschmuck gemeinsam mit Himbafrauen in ihrer traditionellen Tracht (die Haare kunstvoll mit einer Lehm-Buttermischung gebunden, nur mit einem Ziegenlederrock und wunderschoenem Schmuck bekleidet) und den wenigen Touristen in einer Schlange an der Kasse.

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Den positiven Kulturschock verarbeitend fahren wir durch Himbaland weiter Richtung Norden. Hier bestehen Orte nur noch aus einer Ansammlung von Rundhuetten aus Lehm. Auf dem Pad muessen wir oft halten, um die Ziegenherden der Himba passieren zu lassen. Die Erde aendert ihre Farbe von honiggelb zu lehmrot. Ueber die Huegel des Kaokolandes rattern wir langsam bis hinauf zur angolanischen Grenze zu dem Punkt an dem sich der Kunene River ueber die Schlucht der Epupa Falls in die Tiefe stuerzt. Bei Einbruch der Daemmerung sind wir endlich da, geniessen unser Oryxsteak vom allabendlichen Lagerfeuer und lassen uns von den Klaengen Afrikas in den Schlaf singen.

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Am naechsten Tag werden wir von einer herzlich lachenden, grossen runden schwarzen Frau geweckt, die sich mit einem breiten Grinsen als „Washmachine“ vorstellt.  Sie waescht im Fluss und trocknet die Kleidung auf den Bueschen am Ufer. Schade, dass wir gerade keine Waesche haben...Erheitert von einem solchen Tagesanfang besuchen wir eine Himbafamilie abseits des Touristenstroms. Sie leben, wie die meisten ihres Stammes, nach ihrer Tradition in Lehmhuetten, betreiben Viehzucht und kleiden sich in ihrer urspruenglichen Art. Der Chief begruesst uns mit einem Handschlag, der eher an Jugendkultur als an Stammestradition erinnert. Einer seiner zwei Frauen ueberreichen wir Spaghetti als Gastgeschenk. In einem Gespraech finden wir die Bedeutung der verschiedenen Haartrachten und des wunderschoenen Schmucks heraus, die die Himbas tragen.

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Noch ganz gefangen von der Schoenheit Afrikas begeben wir uns wieder Richtung Sueden. In Twyfelfontein im Damaraland bewundern wir tausende Jahre alte Felsgravuren und versuchen von Raymond, einem Damaraman, ein paar Worte seiner Sprache zu lernen. Die Klick- und Schmatzlaute der sprache geben unseren Zungen allerdings keine Chance. In Sossusvlei weiter im Sueden verbrennen wir uns die Fuesse bei dem Versuch, eine der majestaetischen roten Sandduenen zu erklimmen die das Vlei (einem ausgetrockenten Wasserloch) begrenzen. Im Sonnenuntergang kann man gar nicht genug bekommen von ihrer rotleuchtenden Schoenheit.

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Doch wir muessen uns trennen. Suedafrika wartet. Und so tuckern wir mit unserem Toyota Condor ueber die Steilste Strasse Namibias – und steil heisst hier wirklich steil – vorbei an Baboons zurueck nach Windhoek. Von dort geht unser Bus zurueck nach Kapstadt. Was wir dort erleben, koennt Ihr in zwei Wochen hier lesen...

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Das beste Essen: Oryx gegrillt ueber einem Lagerfeuer mit Kartoffeln und Zwiebeln aus der Glut

Die beste Art zu reisen: mit einem Auto in dem man auch schlafen kann – Campingplaetze gibt es an den schoensten Stellen des Landes.

Der beste Platz: Namibgrens Guestfarm an der steilsten Strasse Namibias – mit der besten Freiluftdusche und einer Stille, dass man nur das leichte Saeuseln in seinen eigenen Ohren hoert.

Die schoenste Landschaft: die Schluchten und Berge links und rechts der Strasse von Opuwo nach Twyfelfontein.

Kurios: Handyumsetzer werden hier als ueberdimensionale Palmen getarnt

 

 

 

 

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verändert: 2011/01/03