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Laos

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Erst vernachlaessigte franzoesische Kolonie, spaeter flaechenbebombt von den USA und dann kommunistisch, hat Laos nicht die rosigste juengere Geschichte.

Trotzdem: "Reisende murmeln ein erleichtertes AHHH wenn sie nach Laos kommen, als wuerden sie nach einem harten Arbeitstag in eine Couch sinken. Keine anstrengenden smokbelasteten Staedte, kein aggressiver Unternehmergeist. Laos ist Suedostasiens entspanntestes Land. Die Bevoelkerung der groessten Stadt wuerde ohne Probleme in ein paar Wohnblocks in Bangkok passen. Und das Leben schaltet selten in einen hoeheren als den ersten Gang." schreibt der Lonely Planet. Besser kann man Laos nicht zusammenfassen!

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Die laotische Gelassenheit empfaengt uns schon an der Grenze. Arbeiten waehrend der Pause kostet extra - 1 US Dollar fuer das Visum, wenn es in der Mittagspause ausgestellt wird. Aber das macht bei nicht wirklich guenstigen 30 US Dollar Gebuehr fuer einen 15-Tage-Aufenthalt auch nichts mehr aus. Das Visum ist unserer Meinung nach eh jeden Cent wert: fuer das beste Baguette ausserhalb Frankreichs, goldene Tempel, rote Hammer-und-Sichel-Fahnen neben Buddhafiguren und alles andere, was Laos fuer uns bereithaelt.

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Die Hauptlebensader des Landes ist der Mekong. Die Laoten leben eigentlich eher IM als AM Fluss. Das beste Essen gibt es an winzigen Foodstalls mit ein paar Plastikstuehlen, die nach Sonnenuntergang aus dem Nichts am Ufer auftauchen. Als Sundowner gibt es Beerlao auf aus Treibholz zusammengezimmerten Terrassen ueber dem Mekong.

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Ganz im laotischen Stil ist auch die Hauptstadt Vientiane sehr gemuetlich. Der Verkehr rollt ueberschaubar auf den breiten Boulevards, Shoppingkomplexe gibt es nicht. Eingekauft wird auf dem Markt, wo halbe Kuehe direkt neben moderner Elektronik und Damenunterwaesche feilgeboten werden.

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Die Umgebung Vientianes ist filmreif - am breiten Mekong stehen Bambushuettchen auf Stelzen, unter denen alte Frauen Stoffe weben. Surreale Figuren in einem Buddhagarten wuerden eine perfekte Kulisse fuer einen Streifen von Salvador Dali abgeben.

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Wie Statisten in einem russischen schwarz-weiss Film fuehlen wir uns als wir weiter Richtung Norden nach Luang Prabang reisen. Immer wieder kommen wir durch blankgeputzte Bergdoerfer mit Bambushuettchen, Maenner bestellen die Felder in Indochina-Kriegsuniform (inklusive Armeecap mit rotem Stern), kleine Kids spielen nackt auf der staubigen Strasse.

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Und ploetzlich, nach acht Stunden Busfahrt, sind wir wieder in einer anderen Welt. Luang Prabang wirkt wie eine franzoesische Kleinstadt, die vom Buddhismus missioniert wurde - Chalets du quelque choses neben uralten Wats (Tempeln). In der ganzen Stadt spazieren buddhistische Moenche in ihren leuchtenden Kutten vorbei an Baeckereien, die Baguettes und Croissants verkaufen.

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Aber genau das passt zu dem gemuetlichen laotischen Voelkchen, dem jede Mischung recht ist, solange sie niemanden aus der Ruhe reisst, die so gut wie nie laut werden und immer ein Laecheln und ein freundliches Sabaidee (Willkommen) fuer uns uebrig haben.

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In Luang Prabang eroeffnen wir die Mountainbike-Saison. Nach einer schaukeligen Mekongueberfahrt radeln wir ueber ernstzunehmende Downhills und Uphills, die in der Hitze das Hirn zum kochen bringen. Immer wieder kommen wir durch abgelegene Doerfchen, die uns die laotischen Braeuche eine wenig naeher bringen. Das Grillenfangen zum Beispiel: Dabei haelt man einen ca. 2m langen Stock in die Luft, an dessen harziger Spitze die Insekten kleben bleiben. Dann, nach dem Motto "Die guten ins Toepfchen, die schlechten ins Kroepfchen" wandern die Prachtexemplare in eine Plastiktuete. Die mikrigeren Tierchen hingegen steckt man sich waehrend sie noch surren in den Mund, um sie genuesslich zu verspeisen. Wir bleiben dann doch lieber bei Sticky Rice mit Curry.

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Unsere letzten Tage in Laos verbringen wir ganz im Norden in der Gegend von Luang Nam Tha. Um dorthin zu kommen, shippern wir in einem kleinen Boot einen Tag lang flussaufwaerts. Die einzigen Sitzgelegenheiten sind hoelzerne Kindergartenstuehle, die unter Stens Koerpermassen noch winziger wirken und uns unmissverstaendlich klar machen, was das Wort 'unbequem' bedeutet. Da der Fluss in der momentanen Trockenzeit wenig Wasser fuehrt, heisst es immer wieder aussteigen und schieben. Tatkraeftige Unterstuetzung bekommen wir dabei von den vielen im Fluss umherhuepfenden Kindern.

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Aber der schmerzende Hintern ist schnell vergessen, als wir fuer zwei Tage durch das von Dschungel bedeckte Bergland in Nordlaos wandern. Wir essen von Bananenblaettern, werden von Locals bekocht, die Dorfaeltesten der am Weg liegenden Siedlungen legen die Sonntagsuniform an und possieren aufgeregt fuer Fotos. Eigentlich koennte man annehmen, dass man nach einiger Zeit auf Reisen das Meiste schon mal irgendwie erlebt hat. Falsch! Jeder dieser Momente ist anders und neu. Wenn man mal von nicht enden wollenden Fahrten in ueberfuellten Bussen auf staubigen Mountainbikewegen, bei denen man mehr Zeit in der Luft als auf dem Sitz verbringt, weil man nur noch einen Platz in der letzten Reihe ergattern konnte, absieht. Die sind in der ganzen Welt identisch und fordern das Aeusserste von Atemwegen und Knochengeruest. Wie ueberall entleeren sich Magenhoehlen der Mitreisenden wenn es kurvig wird, aber nur in Laos werden wackelige Plastikhocker als Zusatzsitze in den Gang des Busses gestellt.

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Auch zureuck nach Thailand bleibt uns das nicht erspart. Nach achteinhalb Stunden Tortur sind wir endlich an der Grenze - zwei Minuten vor Schliesszeit der laotischen Passkontrolle - puhhh, den Ausreisestempel haetten wir also. Als wir auf der thailaendischen Seite des Mekong ankommen ist es zwei Minuten nach 18 Uhr und die Fenster der Abfertigungsschalter sind verriegelt und verrammelt. Feierabend! Aber fuer eine "Gebuehr" von 2 US Dollar pro Nase koennen wir den Grenzbeamten nochmal aus dem Fernsehsessel locken und bekommen so unseren Einreisestempel vom Offiziellen, der bereits sein Beerlaos-T-Shirt traegt. Sawatdee krab, Willkommen, Welcome to Thailand!

Don't miss - was man nicht verpassen sollte:


Beerlao - der Ausbau der Beerlaobrauerei war das beste deutsche Entwicklungshilfeprojekt jemals - laut Aussage eines deutschen Diplomaten. Recht hat er!


Sticky Rice - ziemlich geschmacksintensiver klebriger Reis, den man in einer Hand zu wallnussgrossen Baellchen rollt, bevor man ihn ins Curry tunkt und isst.


Sala Khounta - eine wackelige Treibholzterrasse ueber dem Mekong in Vientiane. Ein unschlagbarer Platz fuer ein Sundowner Beerlao!

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verändert: 2011/01/03